Auf der Busfahrt von San Francisco nach Palo Alto herrscht eine aufgekratzte Stimmung. Denn heute ist es soweit! Wir werden die goldenen Böden von Facebook betreten. Der heimliche Höhepunkt der Reise. Als der Bus endlich von der Strasse abbiegt und wir einen ersten Blick auf das Gebäude erhaschen können, sind wir… enttäuscht. Von aussen
betrachtet sieht der Hauptsitz von Facebook langweilig und unscheinbar aus.
Nach einem relativ unkomplizierten Registrationsprozess werden die Tore für uns geöffnet. Ha! Also doch! Das Innere des Campus ist um ein vieles spektakulärer als die Fassade vermuten liess und erinnert mich etwas an den Europapark. Das Herz des Campus bildet der Hacker Square mit seinen grossen Screens, Pizza Restaurants, Burger Läden und Coffee Shops. Leute in Filp Flops schlendern an uns vorbei oder sitzen mit Headphones und iPad in der Sonne. Okay. Hier lässt es sich leben. Äh. arbeiten.

Neil, unser Host, führt uns dann auch direkt in ein Café. Mit einem „Americano“ in der Hand, setzen wir uns in die Sonne und starteten in die Q&A-Runde. Eine Stunde haben wir, um ihn mit Fragen zu löchern.
Am meisten beeindruckt (und überrascht) hat mich die scheinbar sehr transparente und hierarchielose Unternehmenskultur bei Facebook. Beispiel: die Woche endet jeweils mit einem Meeting, an dem die Teilnahme allen Mitarbeitenden im Headquarter offen steht. Geführt wird das Meeting von Mark Zuckerberg selbst. Nachdem er über aktuelle Ereignisse und Geschäfte informiert hat, wird das Mikrofon für alle geöffnet. Die Möglichkeit, das Wort an Mark zu richten, wird rege genutzt und die Mitarbeitenden halten auch nicht mit kritischen Fragen zurück. Erhalten sie keine zufriedenstellende Antwort, stellt der Nächste nochmals dieselbe Frage, und zwar solange, bis sie vollständig beantwortet wurde.
Die Unternehmenskultur basiert stark auf dem Glauben an die gemeinsame Mission. Facebook ist das Projekt jedes einzelnen Mitarbeitenden und jeder trägt zur Erreichung des gemeinsamen Ziels bei. Absolute Transparenz und ständiges kritisches Hinterfragen des eigenen Tuns sind zwei zentrale Werte einer solchen Kultur. Bei Facebook heisst das: One Team, One Mission.
Nach einer Stunde wurde Neil von Rodrigo abgelöst, der Lead Data Engineer von Instagram. Facebook blätterte ja bekanntlich im Jahr 2012 eine Milliarde Dollar hin, um Instagram, damals ein Unternehmen mit 12 Mitarbeitenden, zu kaufen.
Umso erstaunter bin ich also darüber, dass es der Foto- und Videoplattform an Ressourcen zu mangeln scheint. Meine Frage, wann wir eine App mit multiplen Accounts erwarten dürften, so wie wir sie von Twitter kennen, wurde mit einem resignierten Schulterzucken beantwortet. Der Punkt sei zwar auf der To-Do-Liste, doch würden nur „tens of people“ für Instagram arbeiten. Deshalb müssten Prioritäten gesetzt werden. Konkret heisst das: Instagram muss Einnahmen generieren. Aktuell werden in den USA und Canada verschiedene Werbeformate getestet.
Ob die fehlenden Ressourcen auf mangelndem Interesse von Facebook am Aufbau ihrer Tochter-Plattform beruhen oder ob die Schlacht um talentierte Entwickler im Silicon Valley so gross ist, dass nicht mal Facebook das nötige Personal findet, konnte ich nicht ausfindig machen. Ein Vögelchen hat mir jedoch ins Ohr gezwitschert, dass Facebook eine umfangreiche Lobbying-Delegation ins Weisse Haus entsandt hat, um sich für einen vereinfachten Vergabeprozesse von Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen stark zu machen.
Mehr Fotos von unserem Trip ins Silicon Valley gibt’s übrigens auf Facebook.



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