Tag der offenen Tür im Silicon Valley: Drei Eindrücke

Letzte Woche haben über 220 Start-ups in San Francisco und Oakland ihre Türen geöffnet und in kurzen Sessions Einblick in ihre Arbeit (und Büros) gegeben. Drei Eindrücke:

Planless in Medialand
Die Blogging-Plattform medium.com  hat soeben ihr zweites Funding erhalten und sitzt nun auf Investorengelder von 82 Mio. Wie sie die Plattform monetarisieren wollen, wenn dieser Topf dereinst leer ist, wissen die Macher noch nicht. Zwar wurde schon mit Native Advertising Formaten experimentiert, aber so richtig ernsthaft mögen sie sich nicht mit der Frage beschäftigen, wie sie in Zukunft Geld verdienen werden. Viel lieber konzentrieren sie sich darauf, eine wirklich tolle Plattform zu bauen.

So und ähnlich tönt es bei vielen Start-ups im Silicon Valley. Doch sind sie wirklich so planlos, wie sie uns glauben machen wollen? Wer genauer hinhört, kann die Strategie hinter der Nicht-Strategie erahnen. „Es wird nur einer überleben“ ist sich Evan (nicht Williams ;)) von medium.com sicher. Damit meint er, dass sich in jedem Bereich oder Industrie ein Unternehmen durchsetzten wird. Das oberste Ziel jedes Start-ups ist, the one zu werden. Ist die Community erst gross genug, die Konkurrenz abgehängt und die User der Plattform verfallen, werden die Werbeformate wie Pilze aus den Plattformen schiessen. Ganz nach dem Vorbild von Facebook. Und bis dahin pumpen Investoren weiter Millionen in die Unternehmen.

Total Control of all Data
Die totale Kontrolle aller Daten. Das wollen hier alle Unternehmen. Was es bedeutet, wurde mir bei Gracenote so richtig klar. Gracenote liefert die Technologie, die Spotify möglich macht: Tonerkennung für Musik, TV-Shows und Film. Zu ihren Kunden gehören grosse Namen wie Apple, Amazon, Tesla oder Yahoo.

Gracenote
Ty Roberts, Co-Founder und Chief Strategy Officer von Gracenote

Bei Gracenote wissen sie (theoretisch), was morgens bei mir im Radio läuft und abends in der Kiste, wann ich mich aus einer Werbung ausklicke und wann nicht. Kurz: sie können meine halbe Entertainment-Welt monitoren. Gekoppelt mit den Daten, die wir mit Smartphone und Internet Tag ein Tag aus generieren, werden wir zu Puppen der Werbeindustrie – im besten Fall. Im schlechtesten Fall haben die Besitzer der Daten und Plattformen die Tools in der Hand, unser Weltbild zu beeinflussen. Denn sie entscheiden, welche Inhalte uns angezeigt werden und welche nicht. Diese Erkenntnis ist nicht neu, doch wenn man sie so ansehnlich präsentiert bekommt, doch sehr eindrücklich. Richtig unheimlich wird es jedoch, wenn der nächste Punkt ins Spiel kommt:

The Vision: Internet of Things
Internet of Things ist fast schon eine Religion im Silicon Valley. Es wird als die einzige Wahrheit für die Zukunft gepriesen und in keiner Weise hinterfragt. Wer es wagt, eine Frage über Daten und Privatsphäre zustellen, dem wird mit einem halb wissend, halb bemitleidenden „Ah, you’re from Europe“ begegnet und dann rasch alle Bedenken in den Wind geschlagen.

Das Internet of Things ist nichtdestotrotz ein extrem spannender Bereich, weshalb ich ihm noch einen eigenen Blogbeitrag widmen werde.





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